Das große Ausmaß an wilder Natur macht Lettland zu einem der grünsten Länder der Welt. Auf ironische Weise kann man sagen, dass die Hälfte Lettlands nicht mit üppigen Wäldern bedeckt ist. Lettland, das in großen Teilen von der Zivilisation unberührt ist, hat eines der seltensten Ökosysteme der Welt. Es ist eine Oase für den Besucher, der ein Land erleben möchte, in dem Natur und Tradition seit undenkbaren Zeiten harmonisch nebeneinander existiert haben.

Natürliche Vielfalt

Die ursprüngliche Natur Lettlands ist reich und vielfältig. Ein merkwürdiger kleiner Hügel ziert die geschwungenen Ebenen zwischen dem Meer, den Seen und zahllosen Flüssen. Weite Wälder, ausgedehnte Moore, Weiden, Haine und Gärten bilden das einzigartige Mosaik der lettischen Landschaft. Für die die lettische Landschaft ist eine ländliche Ruhe charakteristisch.

Wenn Sie die Natur mögen, dann werden Sie Lettland lieben. Lettland ähnelt sich einem Naturschutzgebiet, das von stark urbanisierten Landschaften des modernen Europas umgeben ist. Es ist ein außerordentliches Land, in dem Wälder, Moore, Seen und Flüsse über Jahrhunderte hinweg in ihrer eigenen Geschwindigkeit mit minimalen  menschlichen Eingriffen sich entwickelt haben.

Nirgendwo sonst in Europa werden Sie solch große Population von Schwarzstörchen und Schreiadlern finden. Auf dem 65 000 Quadratkilometer großen Gebiet finden sich hunderte von Wölfen und Luchsen, 4 000 Ottern und 100 000 Bieber. Die Meeresküste Lettlands, die die fast 500 Kilometer langen weißen Sandstrände bilden, ist von Ferienorten, Restaurants oder Horden von Urlaubern meistens  fast unberührt.

Das Küstenklima Westlettlands geht schrittweise in das Kontinentalklima im Ostlettland über. Es ist ein natürlicher Scheideweg für Menschen, Pflanzen und Tiere. Lettlands geographische Lage entlang der Ostsee hat zu einzigartigen Bedingungen geführt, in denen nord-südliche und west-östliche Vegetation nebeneinander gedeihen können.

Von den 1 304 einheimischen Blumen- und Farnenarten Lettlands wachsen mehrere hunderte an oder nahe der lettischen Grenzen. Ähnliche Verteilungen können auch für das Tierreich beobachtet werden. Eine Folge dessen ist, dass fast überall, wo man den Blick hinwendet, für verschiedene geographische Regione  charakteristi-sche Pflanzen- und Tierarten zu finden sind. In den lettischen Wäldern kann man sowohl typische „westliche” Glockenheide als auch das „östliche” breitblättrige Schilfgras, das „nordische” Flughörnchen und den „südlichen” Siebenschläfer finden.

Wälder

Die lettischen Wälder sind eine Mischung aus nördlichen Nadelwäldern und südlichen Laubbäumen. Man kann einen Fichtenwald neben einem Birkenhain finden und auch ein vielfältiges Spektrum von anderen Baumarten. Aufgrund der einzigartigen klimatischen und geologischen Bedingungen gedeiht fast ein Viertel der lettischen Wälder als Feuchtbiotope. Der Bestand der Feuchtgebietswälder sichert einen hohen Grad der biologischen Vielfalt. Viele Pflanzen- und Tierarten, die nur in konstanten Lebensräumen überleben können, haben hier ihr Zuhause gefunden

Viele Wälder Lettlands erfüllen die Kriterien eines Urwaldes. Sie bieten auch einen reichhaltigen Angebot an verschiedenen Beeren, wie z.B. Walderdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren und Loganbeeren. Die Beerensaison dauert von Ende Juni bis Ende September. Das ist ebenfalls die Zeit, um die Pilze zu sammeln. Die beliebtesten Pilze sind Steinpilze, Rotkappen, Pfifferlinge und Täublinge. Abgesehen von leicht erkennbaren Privatforsten ist der Reichtum der lettischen Wälder - Beeren, Pilze und Haselnüsse - für jedermann zugänglich.

Die Küste

Die Küste entlang der Ostsee ist ein wichtiger Bestandteil der lettischen Landschaft. Bis zu 36 Meter hohe Sanddünen, Sandstrände, Flussmündungen, Moore und Seen bilden ein beständiges Ökosystem. Dieses Gebiet ist immer noch das Zuhause von malerischen Fischerdörfern, die den Eindruck machen, sie seien gerade aus dem Geschichtsbuch entsprungen. Diese Dörfer wurden ursprünglich von den Liven gegründet, einem alten finno-ugrischen Volk, das entlang der baltischen Küste lebte.

Die Tradition der Küstenfischerei ist einen wichtiger Teil der lettischen Kultur. Ein Angelausflug mit einem einheimischen Fischer, einschließlich der Zubereitung des Fanges, kann ein unvergessliches Erlebnis sein. Das unverwechselbare Erkennungszeichen eines Fischerdorfes an der Küste ist der Duft von geräuchertem Fisch. Die kleinen Häfen gedeihen immer noch und erwarten auch Segler. Wenn man vom Hafen zu Hafen fährt, kann man fast halb Lettland umschiffen.

Moore

5% des Territoriums Lettlands besteht aus offen Mooren. Die Hälfte davon ist meistens durch den Menschen unberührt. Innerhalb dieser Gebiete wachsen mehr als 20 geschützte Pflanzenarten. Mindestens 15 Vogelarten nisten in den Sümpfen und Mooren, unter anderem auch Kraniche, Goldregenpfeifer, Birkhäne, Regenbrachvögel, Merline und Wanderfalken. Während des Vogelzuges sind die Moore wichtige Rastplätze für Kraniche und Gänse. Ausserdem leben dort 10 geschützte Insekten- und eine seltene Schneckenart. Moore und Sümpfe werden  auch von Beerensammlern geschätzt, da dort eine große Vielfalt an Beeren wächst, unter anderem Moosbeeren, Moltebeeren, Preiselbeeren und Heidelbeeren.

Das Naturreservat Teiči ist das größte geschützte Moor im Baltikum, das eine Fläche von 200 Quadratkilometern umfasst. Ein Hochmoor bedeckt den größten Teil dieses Gebietes, doch ferner gibt es dort auch noch 19 Seen, Moortümpel, Mineralbodeninseln, Fenne, Moraste und natürliche Wiesen. Hier kann die intensivste Torfenstehung beobachtet werden. Hier findet sich auch die größte Dichte an Jungkranichen in Lettland. 

Seen und Flüsse

Lettland hat über 12 500 Flüsse und 2 256 Seen, die größer als ein Quadratkilometer sind. Latgale im Osten Lettlands, wo viele dieser Seen sind, ist auch als „das Land der blauen Seen” bekannt. Die meisten Binnengewässer eignen sich gut zum Baden und Fischen. Auch wenn einige der lettischen Flüsse begradigt wurden, behielten die meisten Flüsse ihren natürlichen Lauf. Eine Folge davon ist, dass ihre Ufer heute eine Heimstätte für so seltene europäische Wildtiere wie Otter, Biber und Eisvögel bieten. Lettland ist eine der wenigen Gegenden in der Ostseeregion, in der es noch natürliche Laichplätze von Lachsen gibt. Ausserdem gibt es viele Flüsse, in denen man Kanufahren oder Wildwasser-Raften kann.

Der Gauja Nationalpark umfasst den gleichnamigen längsten Fluss Lettlands. Das alte Flusstal hat viele steile Ufer, Schluchten, Stromschellen, Sandsteinklippen und Höhlen. Der Nationalpark umfasst Naturgebiete, die vom Menschen relativ unberührt sind, ebenso wie historische ländliche Gegenden und wichtige uralte Denkmäler. Darüber hinaus bietet der Naturpark Wanderwege, Aussichtspunkte, Rastplätze, gut ausgerüstete Campingplätze, Parkplätze, Cafés, Touristenunterkünfte, Informationszentren und Fremdenführer.

Ländliche Bauernhöfe

Der typische ländliche Bauernhof ist die Seele Lettlands, wo man im Einklang mit dem Rhythmus der Natur lebt. Die Menschen respektieren hier alte Traditionen und begehen Jahresfeste schon seit ewigen Zeiten. Der Einfamilien-Hof ist ein wesentlicher Bestandteil der lettischen Landschaft. Viele von ihnen sehen immer noch so aus wie vor Jahrhunderten.  

Die lettische Landschaft ist ebenfalls ohne ihre jahrhundertealten stattlichen Bäume unvorstellbar, die inmitten von Getreidefeldern unversehrt gelassen sind. Viele dieser Bäume bieten hervorragende Nistplätze für viele der 20 000 Weißstörche Lettlands. Viele Störche nisten auch auf den Schornsteinen der Bauernhöfe. Eine wachsende Anzahl von Bauern öffnet heutzutage ihre Höfe für Touristen. Mehr als hundert Bauernhöfe bieten Halbpension und eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten an.

Naturschutzgebiete

Die ersten Regeln und Gesetze zum Umgang mit den Waldgebieten traten schon im 16. Jahrhundert in Kraft. Die baltischen Küstendünen wurden im 19. Jahrhundert wiederaufgeforstet, um ihre Ausdehnung ins Binnenland aufzuhalten. Das erste geschützte Areal in Lettland war Moricsala, eine Insel im Usma-See in Kurzeme.         

10% des lettischen Territoriums sind Naturareale, die gesetzlich geschützt sind. Dazu gehören vier staatliche Naturschutzgebiete, drei Nationalparks, 22 Naturparks, 211 Naturschinungsgebiete, 6 Landschaftsschutzgebiete und ein Biosphärenreservat. In den geschützten Gebieten befinden sich alte Kiefernwälder, Schwarzerlen-Sumpfwälder, Linden-, Eichen- und Eschenwälder, ebenso Waldgebiete in Schluchten und auf Abhängen, die seltene Pflanzen und Tiere beherbergen. Zu den dort lebenden Arten gehören Schwarzstörche, Adler, der Frauenschuh, viele seltene Flechten, Moose, Insekten und Schnecken. Dies bildet das Naturerbe Lettlands, was leidenschaftlichen Öko-Touristen eine Menge zu bieten hat.     

Während der Sommernächte können wir immer noch einen Frosch-Chor hören, einen Igel im Garten entdecken, den Ruf eines Wachtelkönigs hören oder an der Spitze eines Pfahls, eines alten Schornsteins oder eines umgeknickten Baumes das Nest eines Weißstorches finden. Das alles ist ein Zeugnis für die Qualität der natürlichen Umwelt in Lettland.