Seit 3000 Jahren ist er um die Welt gereist, denn sogar die alten Griechen hatten einen Namen für ihn – die „Substanz der Sonne“. Die Menschen haben ihn immer geliebt – niemanden kümmerte, dass er kein Edelstein ist. Die alten Römer beispielsweise schätzten den Bernstein so hoch wie Gold. Die historische Bernsteinstraße verband das Baltikum mit Rom.

Bernstein

Die Letten haben Bernstein in Broschen, Textilien und in Liedtexten verarbeitet. Sie nennen die Ostsee gelegentlich auch das Bernsteinmeer. Sie zögern sich auch nicht, ihre Marken oder sogar Kinder nach ihm zu benennen. Der Männername Dzintars oder der Frauenname Dzintra (maskulin und feminin für Bernstein) gehören zu den wenigen Vornamen lettischer Abstammung.

Bernstein ist durch das Alter versteinertes Kiefernharz. Kiefernwälder  haben die 500 Kilometer lange Sandküste Lettlands gesäumt. Bernsteinfragmente werden immer noch entlang der Ostseeküste angespült. Die glänzenden Steine, die wir heute sehen, gibt es schon seit 40 Millionen Jahren. Einige Bernsteinstücke schließen Pflanzen und Insekten ein, wie Farne, Frösche oder Libellen, die vor langer Zeit im Kiefernharz stecken geblieben sind.          

Das organische Material zeigt eine Vielzahl von Farben, die für Lettland charakteristisch sind. Einige Bernsteinstücke sind gelb wie ein Kornfeld, ein Blumenstrauß oder Butter. Andere verfügen über den Karamellton von Bienen und Honig. Schließlich gibt es Bernstein rot wie ein Sonnenuntergang am Meer oder rustikal braun wie hausgebrautes Bier.

Bernsteinartefakte sind sowohl im Naturkundemuseum Lettlands, im Museum für die Geschichte Lettlands und im Lettischen Institut für Geschichte (in Riga), als auch im Museum für Kunst und Geschichte in Liepāja zu besichtigen. Sie können eine große Auswahl an Bernstein-Souvenirs vor allem in der Altstadt von Riga kaufen.

Wo wird Bernstein verwendet?

Seit alten Zeiten werden Schmuckanhänger, Knöpfe und Armbänder, aber auch komplexere Produkte aus Bernstein hergestellt. Bernstein wurde auch für die Herstellung von religiösen Artefakten verwendet. Lettischen Wissenschaftler und Unternehmer haben sich auch über innovative Anwendungen in anderen Bereichen Gedanken gemacht. Als organisches Material absorbiert Bernstein die Körperwärme und ist einfach zu bearbeiten.

Die Verwendung von Bernstein für medizinische Zwecke ist altbekannt. Die einzigartigen heilenden Eigenschaften des baltischen Bernsteins können durch die Bernsteinsäure, die er enthält und die ein ausgezeichneter Biostimulator ist, erklärt werden. Medizinische Fasern und Modeartikel wie Schals aus Bernsteinfäden sind nur einige der einzigartigen neuen Anwendungen für die „Substanz der Sonne“.           

Die optischen Eigenschaften von Bernstein sind schon seit dem Mittelalter bekannt. Aus Bernstein wurden Brillen hergestellt, und heutzutage verwenden zahlreiche Hersteller von optischen Geräten Bernstein, um die Qualität ihrer Linsen zu verbessern.

In jüngerer Zeit wurde Bernstein als strategisches Material auf Atom-U-Booten und in den Motoren von Raumfahrzeugen verwendet. Bernsteinöl wird für die  Herstellung von hochqualitativen Farben verwendet. Bernsteinlack wird für die Restaurierung der vergoldeten Dächer von Baudenkmälern angewandt.  

Gepresster Bernstein oder Ambroid wird als Isoliermaterial in elektrischen Geräten verwendet. Solche Bernsteinkerne wurden auch in der Ausrüstung, mit der die Strahlenbelastung nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gemessen wurde, benutzt. Diese Tatsachen heben die Bedeutung, die die Letten dem Bernstein immer schon zugeschrieben haben, hervor.