Die nächsten Nachbarn der Letten sind die Litauer und die Esten. Lettisch und Litauisch gehören zur baltischen Sprachgruppe, somit ähneln sich diese Völker auch in Traditionen und Kultur. Mit ihren nördlichen Nachbarn, den Esten, sind die Letten wiederum geschichtlich verbunden, nämlich seit der Eroberung des Gebietes durch deutsche Kreuzritter. Deshalb hatten Lettland und Estland auch eine ähnliche politische und religiöse Entwicklung.

Die ersten Kontakte zwischen Letten und Litauern sind bereits in den lettischen Volksliedern dokumentiert. Auch die Chroniken und die lettische Literatur zeigen, wie beständig und intensiv die Beziehungen zwischen diesen baltischen Völkern sind. Im 19. Jahrhundert kamen viele Litauer als Industriearbeiter und Händler nach Lettland, während in der Zeit zwischen den Weltkriegen die meisten Litauer in der lettischen Landwirtschaft beschäftigt waren. Ebenso gab es Litauer, die vom zaristischen Russland und der Sowjetunion nach Sibirien deportiert wurden und denen die Rückkehr nach Litauen verwehrt wurde. Sie ließen sich später in Lettland nieder. In den 1980er Jahren nahmen die in Lettland lebenden Litauer an den lettischen Unabhängigkeitsbestrebungen teil. Zu ihnen gehörte auch R. Ražuks, der Leiter der damaligen litauischen Gesellschaft.

Heute leben in Lettland ca. 30 Tausend Litauer. Etwa die Hälfte von ihnen nennt Lettisch ihre Muttersprache. Die anderen, meistens die ältere Generation, geben als ihre Muttersprache Litauisch an. Seit mehr als zehn Jahren ist in der lettischen Hauptstadt Riga auch eine litauische Schule tätig. Ihre Absolventen sind der lettischen und der litauischen Sprache gleichermaßen mächtig.

Mit den Esten teilen die Letten wiederum ihre Geschichte. Beide Völker sind geschichtlich seit den Zeiten verbunden, als das Territorium unter die Herrschaft des Livländischen Ordens fiel. Im späten 19. Jahrhundert nahm die Anzahl der Esten in Lettland zu und erreichte etwa 10 Tausend. Viele Esten ließen sich hier infolge der industriellen Revolution nieder. Es sind jedoch viele von ihnen nach Erklärung der Unabhängigkeit Estlands in ihre Heimat zurückgekehrt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genossen mehrere estnische Künstler, wie etwa die Sängerin Aino Bāliņa, in Lettland eine Art regionalen Ruhm. Die Anzahl der Menschen, die sich im heutigen Lettland Esten nennen, erreicht knapp 3 Tausend. Die meisten von ihnen leben in Riga und in den Städten direkt an der estnischen Staatsgrenze, wie Alūksne und Valka.  Die estnische Mittelschule in Riga heißt sowohl estnische als auch andere Schüler willkommen, die Interesse an der Sprache und Kultur dieses Nachbarlandes haben.