Das Lettische Sänger- und Tanzfest ist das größte Fest im Land, das singt. Das Fest ist ein Juwel der lettischen Kultur an dem jeder teilnehmen kann. Menschen jeden Alters aus Städten und ländlichen Gebieten setzen diese Tradition fort, und sie ist von der UNESCO als einzigartig anerkannt. Zehntausende von Menschen singen und tanzen alle fünf Jahre vor den Augen des nationalen und weltweiten Publikums vor Ort und über Radio- und Fernsehübertragungen.

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Sänger- und Tanzfest

Das erste lettische Sängerfest fand im Jahre 1873 statt, dem kleinere regionale Feste vorausgegangen waren. Europa erlebte eine Welle der Nationalromantik und die Letten folgten mit ihrem nationalen Erwachen. Es ebnete den Weg für die Unabhängigkeit Lettlands 1918 und bewahrte die lettische Kultur und das Selbstbewusstsein während der Besatzungszeit.  

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Zwischen 1873 und 2013 haben 25 Sängerfeste stattgefunden. Die Kontinuität der Tradition und die große Teilnehmerzahl macht es zu einem gleichsam persönlichen und landesweiten Ereignis. Jedes Fest besteht aus zahlreichen Konzerten und Tanzvorführungen und wird mit einem Konzert der mehr als 20 000 Sängerinnen und Sänger aus allen Chören auf einer Bühne abgeschlossen. Um die berühmte Präzision und Qualität zu erreichen, dauern die Vorbereitungen fünf Jahre. Auch Tänzer und Orchestermusiker sind ein wesentlicher Bestandteil des Abschlusskonzertes.      

Das Fest war zu allen Zeiten ein Teil des gewaltlosen Widerstands. Letten äußerten ihre kollektive Meinung durch die symbolischen Lieder beim Fest. So wurde die Hymne Lettlands zum ersten Fest im Jahr 1873 trotz des herrschenden Zarenregimes mehrmals gesungen und wurde später zur Nationalhymne der Republik Lettland ernannt. Das Fest ging auch dem Erwachen der 1980er Jahre voraus. Die sowjetischen Behörden konnten den riesigen Chor nicht vom Singen verbotener Lieder abhalten. Die singende Revolution von 1988-1990 wurde so genannt, weil die Menschen während großer Protestversammlungen bedeutungsstarke Überlieferungen sangen.     soviet time latvia song celebration

Das nächste Sänger- und Tanzfest findet im Jahr 2018 statt. In der Zwischenzeit findet alle fünf Jahre ein ebenso beeindruckendes Sänger- und Tanzfest der Schüler statt, das Sänger und Tänzer aus Grund- und Mittelschulen Lettlands versammelt. Etwa 30 000 junge Sänger und Tänzer zeigen professionelle Leistung. Die hingebungsvolle Energie, die die Jugendlichen beim Singen und Tanzen ausstrahlen, ist wirklich bewegend.

Chorkultur

Wenn Sie mit Letten zusammen sind, ziehen Sie in Betracht, dass sie früher oder später zu singen anfangen. Der Gleichklang von Tausenden zum Sängerfest wird durch die harte Arbeit von jedem Dutzend Sänger aus jedem Chor erreicht. Große Tradition und harte Arbeit machen Lettland immer noch zum Land, das singt.  



Der Chorgesang ist ein wesentlicher Bestandteil der lettischen Identität seit dem nationalen Erwachen im 19. Jahrhundert. Diese Art des kollektiven Gesanges wurde für die Letten ähnlich bedeutsam wie die Oper, Lieder, Chansons und Symphonien für andere Nationen. Die Chormusik wurde in Lettland zu einem begehrten Bereich der herausragendsten Komponisten, Dirigenten und Gemeindeleiter. Dadurch wurde es zum führenden Genre der lettischen professionellen Musik. Die Einbeziehung von professionellen Komponisten in die Chorleitung machte es zu einer angesehenen und sozial wichtigen Tätigkeit. Diese besondere Situation in Lettland hatte weitreichende Auswirkungen.

In der Zwischenkriegszeit ragten mehrere Chöre aus der Vielzahl der Amateurchöre in Lettland heraus. Der Reiters-Chor unter Leitung von Teodors Reiters machte in diesen zwei Jahrzehnten zehn große Konzertreisen und brachte lettischen Chören Ruhm und Anerkennung außerhalb Lettlands. Die Produzenten der ersten lettischen Tonfilme wählten diesen Chor sogar für die Musikbegleitung aus.    

Der Chor ist auch heute ein Eckpfeiler der lettischen Kultur und Identität. Nahezu alle Schulen verfügen über einen Chor. Jeder Laienchor strebt Professionalität an. Jeder ausgezeichnete Dirigent ist ein Grundpfeiler der Gesellschaft und eine bekannte Persönlichkeit. Die Letten sind bestrebt, mit Chorenthusiasten auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Das Europäische Netzwerk für professionelle Kammerchöre – TENSO – wurde vom Lettischen Radiochor in Zusammenarbeit mit den führenden Chören in Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Großbritannien, Irland, Norwegen und Dänemark mitgegründet.       

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Die führenden professionellen Chöre Lettlands gehören zu den besten in der Welt. Der Lettische Radiochor unter der Leitung von Sigvards Kļava und Kaspars Putniņš, der Kammerchor „Ave Sol“ unter der Leitung von Imants Kokars und der Staatliche akademische Chor „Latvija“ unter der Leitung von Māris Sirmais sind legendär. Sie führen häufig Weltpremieren der anspruchsvollsten modernen Partituren auf. Der Jugendchor „Kamēr“ unter der Leitung von Māris Sirmais hat weltweit hohe Auszeichnungen bei zahlreichen internationalen Wettbewerben gewonnen.

Im Jahr 2006 gewann „Kamēr“ den ersten Preis in allen drei Kategorien bei den World Choir Games. Dadurch erhielt Lettland das Recht, die Veranstaltung 2014 auszurichten. Dies  wurde zum beeindruckendsten Höhepunkt von Riga als Kulturhauptstadt Europas. Die lettischen Chöre dominierten in den meisten Wettbewerben und gewannen die meisten Preise. Die größte Ehre, die Lettland zuteil wurde, war die Verleihung des World Choir Games-Friedenspreises 2014 für die Traditionen im Chorgesang. 

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