Jeder vierte Einwohner Lettlands ist ein Russe. Die meisten Russen leben in den drei größten Städten Riga, Daugavpils und Rēzekne. Die russische Sprache ist die meistbenutzte Minderheitensprache, die weit verbreitet ist und im ganzen Land verstanden wird. In Lettland gibt es öffentliche und private Medien, die auf Russisch senden. Darüber hinaus finanziert die lettische Regierung Schulen und Klassen mit Russisch als Unterrichtssprache.

Die Russen haben in der lettischen Kunst, Wissenschaft und Politik hohe Positionen erreicht. Um nur ein paar zu nennen: Der Balletttänzer Michail Barischnikow, die Bildhauerin Vera Muchina, der Opernsänger Aleksandrs Antonenko und der Mathematiker und Theoretiker der kosmischen Wissenschaften Mstislaw Keldisch sind alle Vertreter der russischen Gemeinschaft Lettlands.

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Geschichte

Die ersten russischen Kaufleute kamen schon im 12. Jahrhundert von Polotsk und Nowgorod nach Lettland. Die ursprüngliche Gemeinschaft der Russen in Lettland bestand jedoch aus Altgläubigen, die im Laufe des 18. Jahrhunderts vor der Verfolgung in Russland flohen. Weitere Russen kamen nach Lettland, nachdem die lettischen Territorien 1795 in das Russische Zarenreich eingegliedert worden waren.

Laut der Volkszählung von 1897 lebten in Lettland 171 000 Russen, die Mehrheit von ihnen in Latgale. Die meisten waren Bauern, viele gehörten der Mittelklasse an, während einige wenige Adlige waren. Russische Industrielle führten Geschäfte in Lettland. So entwickelten sich die Porzellanmanufaktur Kusnetsov und die Nesterow-Schiffswerft zu den größten Unternehmen im Riga des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Zahl der Russen wuchs nach 1917, als russische Emigranten vor dem russischen Bürgerkrieg flohen. Die Mehrheit der Russen, die heute in Lettland leben, oder ihre Eltern zogen während der Sowjetzeit nach Lettland (1940-1941, 1945-1991).

Viele Russen waren große Anhänger der Unabhängigkeitsbestrebungen Lettlands Ende der 1980er Jahre. Die Idee der Gründung der lettischen Volksfront, der treibenden Kraft zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit, wurde von den prominenten lettischen Schriftstellern russischer Abstammung wie Ludmila Azarova, Roalds Dobrovenskis, Vladlens Dozorcevs und Marina Kosteņecka unterstützt. Gleichzeitig gab es viele, die gegen die Souveränität Lettlands waren und die die Anti-Unabhängigkeitsbewegung  „die Interfront der Arbeiter“ gründeten.

Heute

Seit der Wiederlangung der Unabhängigkeit ist die russische Gemeinschaft Lettlands von 905 515 im Jahr 1989 auf 520 136 im Jahr 2014 gesunken, da viele Russen Lettlands entweder in ihre ethnische Heimat zurückgekehrt oder in andere EU-Länder ausgewandert sind.

Das Thema der Nichtbürger, welches oft im Zusammenhang mit den Menschenrechten und der Ethnizität erwähnt wird, hat mit beiden dieser Aspekte herzlich wenig zu tun. Nachdem 1991 der Fortbestand der unterbrochenen Eigenstaatlichkeit und die Erneuerung der ursprünglichen Staatsbürgerschaft gesichert wurde, haben die lettischen Behörden die notwendige Gesetzgebung geschaffen, um die Integration der Bürger aus der ehemaligen UdSSR zu gewährleisten und die Einbürgerung dieser Personen zu ermöglichen. Zwischen 1995 und 2014 haben 142 616 Personen durch das Einbürgerungsverfahren die lettische Staatsbürgerschaft erhalten. Da jedoch die Nichtbürger im sozialen und wirtschaftlichen Bereich die gleichen Rechte genießen wie die Staatsbürger, hat der Prozeß der Einbürgerung sich verlangsamt. Zwischen 2008 und 2013 betrug die durchschnittliche Einbürgerungsrate zweitausend pro Jahr.

Durch die lettische Gesetzgebung gebotenen Vorteile und das Unterstützungssystem der nichtstaatlichen Organisationen werden von der russischstämmigen Bevölkerung Lettlands bezüglich der Förderung von sozialen Initiativen und  Gründung  von relevanten Organisationen sehr wohl geschätzt. Heute gibt es mehrere Dutzende Verbände und Organisationen der Russen Lettlands, die kulturelle und soziale Aktivitäten fördern.